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Alles Bahnhof

Haut + Fleisch = Ironie

Wie? Das versteht Ihr nicht? 

Tja, ich auch nicht. Aber für den Japaner scheint nichts natürlicher zu sein, als die Zeichen für Haut (皮) und Fleisch (肉) zu sehen und „Ironie“ zu lesen. Isn’t is ironic?

Im Lockdown, der so locked down hier gar nicht ist, habe ich meine Japanischlernerei etwas forciert. Das macht Spaß, kann einen aber auch in die Verzweiflung (im Japanischen dargestellt durch die Zeichen für „sicher“ und „Tod“, nun ja) treiben. Ein paar Beispiele gefällig?

Das schlichte Zeichen 生 bedeutet eigentlich nur Leben. Je nach Kontext wird es ausgesprochen: sei, shō, i, u, uma, umare, o, ha, ki, nama, na, mu. Einfach, oder? 

Na wartet: Kommt das Zeichen in einem Eigennamen vor, ist es möglicherweise asa, iki, iku, ike, ubu, umai, e, oi, gyū, kurumi, gose, sa, jō, sugi, so, sō, chiru, naba, niu, nyū, fu, mi, mō, yoi oder ryū zu lesen. 

Da gewinnt die vulgärjugendliche Anrede „Ey“ doch ganz neu an Attraktivität, oder? Versteht hier aber keiner. Oder doch: „Ey“ bzw. „ei“ kann hier unter anderem bedeuten: England, Ähre, Ehre (sic!), Kreuzzeichen (also #) oder Rausch, wird dann aber natürlich jeweils mit einem anderen Zeichen dargestellt.

Umgekehrt: Schachtel heißt „hako“. Schlicht und gut. Aber halt! Es gibt sechs verschiedene Zeichen für „hako“, die man, wie ich annehme, in Abhängigkeit von der konkreten Form der Schachtel verwendet. Meine Assistentin kannte jedenfalls auch nur zwei.

2.000 Zeichen muss man wohl verstehen, um eine Zeitung lesen zu können, aber eben auch in all ihren variablen Bedeutungen und Aussprachen je nach Zusammenhang. Durchschnittliche Japaner beherrschen etwa 10.000. Ich habe jetzt etwa 250 drauf. Sobald man mal einen Tag mit der Lernerei aussetzt, sind aber auch locker wieder 10 % weg. 

Es ist zum wahnsinnig werden, aber das sagte ich bereits. Der Griff zur Flasche (Sake bedeutet hier übrigens ganz generisch „alkoholisches Getränk“ und meint nicht etwa den Reiswein, der heißt Nihonshu, wäre ja auch noch schöner!) ist so auch für mich eine – wenn auch indirekte – Konsequenz des Lockdown.

Dass die Zeichen für Gold (金)und Ball (玉) zusammen Testikel, vulgo: Eier im Kahn’schen Sinne bedeuten, das hat mich dann mit der japanischen Sprache aber wieder versöhnt. Den schönen Satz 金玉がいります。(kintama ga irimasu -- wir brauchen Eier!) verkneife ich mir hier allerdings, auch wenn man die sprichwörtlichen Dinger für das Erlernen der Sprache allzu gut gebrauchen kann.

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