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Endlich wieder WG

Ich habe in meinem Leben bisher nur einmal in einer WG gewohnt. Das war 1993/94 in Santiago de Compostela in Spanien. Dort, wohin man heute lifestylt. Damals pilgerte man noch. Ich wohnte mit zwei Spaniern zusammen. Und weil sie zu zweit waren, waren auch ihre Zimmer doppelt so groß wie meins. Jeweils. 
Dafür zahlte ich die gleiche Miete wie sie. Spanische Mathematik. Mein Zimmer war vielleicht sechs, sieben Quadratmeter groß und hatte einen wunderbaren Blick, wenn man sich traute, die Milchglasscheibe aufzuschieben. Auf einen Innenhof, circa zehn Quadratmeter groß. Alle Küchen des Gebäudes lagen an diesem Innenhof. Herrlich. Vor allem olfaktorisch.
Meine Mitbewohner hießen Ramón und Xavi. Ramón trug hin und wieder eine Brille ohne Gläser, nur so aus Daffke. Xavi machte sich unsterblich mit seiner Lebensmaxime: En caso de duda, mas tetuda. 
Ich habe den Kontakt zu den beiden verloren. Leider. Man findet sie auch im Internet nicht. Ihre Namen sind nicht unterscheidungskräftig genug. Sie waren sehr, sehr unterhaltsam. 
Heute lebe ich wieder in einer WG. Mit einer gewissen Lilly. Sie ist 20 und schläft sehr viel mehr und sehr viel länger als ich. Sie kritisiert mich, wenn ich die Tür zur Garderobe nicht richtig schließe. Sie beschimpft mich, wenn ich beim Händewaschen das "Happy Birthday" (2x natürlich) zu schnell singe. Sie kommt angeschickert von einer Kirschblüten-Party nach Hause. Sie hat grüne Augen, die meinen ähnlich sind. Sie ist: meine Tochter. Was für ein Abenteuer!

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